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akteur - geschehen machen
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Was ist ist was nicht ist ist möglich

22. April 2015

Prinzipien

[Eine Kneipe, Bar oder ein anderes Etablissement, in dem man in Ruhe – das heißt, zwar mit Musik im Hintergrund, aber nicht zu lauter, sodass das Sprechen anstrengend oder das Zuhören schmerzvoll würde – und sitzend Alkohol in beliebigen Mengen zu sich nehmen kann. Das Licht ist leicht gedimmt, man kann, wenn man sich ob des Getränkes noch unsicher ist, die Karte gut lesen. Dort sitzt ein jemand. Ob mit einem, zwei oder drei Bekannten, ist, ohne aufdringlich zu schauen, vom Nachbartisch nicht zu erkennen. Was er sagt, kommt in breitem Dialekt und mit der Verve des Angetrunkenen daher.] Wollte eigentlich noch wer kommen? Auch egal, einer kommt immer zu spät. Die Frage ist doch, wie kriegt man was auf die Reihe, oder? Ja, für mich auch irgendwas mit Alkohol drin, sonst wird das hier nix, ein Bier, ein großes, ja. Naivität als Stilprinzip! Das Stilprinzip muss die Naivität sein, oder zumindest das Denkprinzip hinter dem Ganzen. Selbstüberschätzung ist so notwendig wie Kunstüberschätzung. Jeder Künstler muss zuerst sich selbst überschätzen, weil er glaubt, ernsthaft einen Beitrag zur Kunst leisten zu können. Dazu muss er die Kunst maßlos überschätzen, als ob sie irgendeine Bedeutung hätte. Das darf aber keiner merken, denn nur so kann unter Umständen der Eindruck entstehen, dass beides wirklich von Bedeutung wäre. Kunstdenken ist Wunschdenken ist Tatsachendenken! Auf die Inhalte sei mal geflissentlich geschissen, was es braucht, ist eine Haltung zu den Inhalten. Wir wollen wirken! Das klingt doch mal ganz nett, find’ ich gut. Weg von Inhalten. Die kann man sich sowieso auf keine Fahne schreiben. Aber mal prinzipiell: Soll beschrieben werden, wie andere wirken, man selbst aber nichts weiter tut, als seine Seele reinzuwaschen, oder soll der Versuch unternommen werden, seinen eigenen Beitrag zu leisten? Das erste interessiert mich nicht. Das bekommt jeder kunst- oder philosophie- oder sonstwasaffine Mensch auch ohne uns mit. Wirken ist das Stichwort! Im Leser wirken! Nicht in der Welt, der Leser geht dann in die Welt mit der Wirkung! Dazu ist jedes Mittel recht! Ich meine, hier wird schwadroniert. Klar, die Frage, wie andere in der Welt handeln, ist spannend und notwendig zum Handeln für uns, aber glaubt einer ernsthaft, das bringt was? Fickt euch. Wir müssen einfach davon ausgehen, dass es so ist, dass man mit ein paar läppischen Worten und Bildchen irgendwas anstoßen kann. Wie lächerlich, oder? Naivität als Denkprinzip. [er nimmt einen

Ideen

kräftigen Schluck] Also gut, meine Ideen, macht damit, was ihr wollt, Ideen tun ja keinem was, außer einem selbst. Will man zeigen, wie man die Welt verändert, muss man es tun: wider die Beschreibkunst! Falsche, aber glaubwürdige Geschichten erzählen. Der Leser liest und hält die Alternativwelt für wahr und handelt mit diesem Wissen in der realen Welt anders. Gute Gerüchte tun mehr als wahre Fakten. Hast du schon gehört, Manuel Neuer ist schwul? Zack, gute Geschichte gemacht, die Leute denken nach, na, wie kann das denn sein, man sieht’s ihm gar nicht an. Oder die verdammte Bibel, kein Schwanz glaubt ernsthaft, dass da einer 1000 Kinder in 1000 Jahren gemacht hat, ist auch egal, das gelogene Wort verändert unsere Welt. Womit beides bewiesen wäre, die Macht des Wortes und die Falschheit aller Worte. Scheiß auf die Stoffe, Themen braucht’s: Liebe, Freude, Hass, … Der Leser muss sie selbst erfahren, nicht erfahren bekommen. Ich muss so weit gebracht werden, dass ich von ganz alleine dazu bereit bin, mir zu überlegen, was ich in meinem kleinen Leben denn besser machen kann. Dafür muss ich halt an den Eiern gepackt werden. Was? Ich nerve? Meine Redezeit ist vorbei, ihr habt keinen Bock mehr, dreht mir den Saft ab und nehmt mir auch noch das Scherben-Beil weg, gut gut, ist ja gut, ich hör ja schon auf [weitere drei

Taten

Schlucke] Leute, wisst ihr was, die ersten drei, die mir eine Mail schicken, bekommen ’ne Kleinigkeit, »Projekt Weltethos« von Hans Küng, was Kluges für neben’s Bett, hat mir geholfen in vielem einen klareren und durchsetzenderen Blick auf die Welt zu bekommen. Kann ich das sagen, ach egal, ich kenn’ den, der hat mal einen Vortrag bei uns an der Uni gehalten und nachher waren ein paar Leute noch was trinken mit ihm und da haben wir uns dann ein wenig unterhalten und gut verstanden, ist insgesamt ein klasse Typ, hätte ich so nicht gedacht, und den habe ich angehauen und der hat mir ein paar Exemplare zur Verfügung gestellt, weil ich das Buch wirklich geil und auch wichtig finde.

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