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Marc Stoffel

10. Mai 2015

Marc Stoffel ist der erste demokratisch gewählte CEO im Unternehmen Haufe-umantis, das eine neuartige „Talent Management Software“ entwickelt hat, die die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern, Führungskräften und der Personalabteilung erleichtert. Mit der Umsetzung vom Gedanken in die Tat, der Motivation der Mitstreiter und der Sorge, der eigenen Vision nicht gerecht zu werden, kennt er sich aus. Maria vom akteur hat ihn bei PANDA– dem ersten Karriere-Contest für weibliche Führungstalente – getroffen. Marc durfte trotzdem dabei sein, aber das ist eine andere Geschichte.

Wann hast du das letzte Mal jemanden überzeugt und von was?

Gerade am Wochenende hatten wir bei uns im Unternehmen einen spannenden Austausch – ist ein bisschen was Internes. Wir stehen in unserem Team vor einer sehr großen Herausforderung und haben darüber diskutiert, wie wir die anpacken, und ich glaube, dass ich die Leute davon überzeugen konnte, nicht darüber zu debattieren, was alles nicht geht und was um uns herum gerade nicht funktioniert, sondern uns alle dem Erfolg zu verschwören unabhängig von den Widrigkeiten.

Wenn man eine starke Vision teilt, bleibt einem ja gar nichts übrig als dafür zu kämpfen. Ich habe dem Team nochmal in Erinnerung gerufen, was wir glauben und wie wichtig es für uns alle ist, dass das, was wir glauben, auch auf die Straße kommt.


Woran glaubst du, was sonst keiner glaubt?

Mitarbeiter führen Unternehmen. Das ist das, woran wir glauben und woran viele nicht glauben. Wir glauben, dass heute schon und in Zukunft noch viel mehr die Mitarbeiter das Unternehmen führen. Das heißt, auch relevante unternehmerische Entscheidungen treffen, die die Strategie betreffen, die Vision, aber auch wer sie führt, wer sie nicht führt, wie sie zusammen arbeiten.

Die meisten Unternehmensstrukturen sind so gemacht, dass die Mitarbeiter an der Spitze, die man Vorstand nennt, möglichst gut regieren und entscheiden können. Die Realität sieht aber so aus, dass 70-80 % aller Entscheidungen durch die Mitarbeiter getroffen werden. Wir glauben, da gibt es einen riesigen mismatch.

Wir haben alle schon immer geglaubt, dass die Mitarbeiter viel stärker am Drücker sind, und wir haben in unseren Laufbahnen auch viele Erlebnisse gesammelt, die das bestätigen. Wirklich wichtige Dinge, Impulse, Entscheidungen kommen eigentlich von den Mitarbeitern und das hat uns bestärkt darin, diese Vision in unsere Welt zu tragen. Dafür stehe ich am Morgen auf und gehe am Abend ins Bett.


Wie hast du heute Morgen deine ersten fünf Minuten verbracht?

Heute ausnahmsweise tatsächlich mit E-Mails, das mach’ ich sonst gar nicht. Ich habe heute schlecht geschlafen und so habe ich heute dann die ersten fünf Minuten in meiner Mailbox verbracht. Normalerweise verbringe ich die ersten fünf Minuten immer mit Aus-dem-Fenster-schauen. Ich wohne ganz schön und sehe in die Natur raus, und das sind dann immer meine ersten Aufwachminuten.


Welche Frage würdest du an dieser Stelle stellen? Und wie würdest du sie beantworten?

Eine Frage, die mich sehr stark beschäftigt, ist, warum CEOs in Unternehmen dem Bereich HR so wenig Bedeutung verleihen. Wenn man die heutige Dynamik in den Märkten anschaut, den Innovations- und Kostendruck, dann kommt man sehr schnell auf das Thema Mensch, weil in dem Prozess eine Person steht, die eine Innovation, eine Kreation oder eine Idee hat. Warum trotzdem jeder CEO den Faktor Mensch für immer wichtiger befindet, der HR-Bereich eher hinter den anderen Bereichen zurückhängt, ist für mich die große Frage.

Ich habe die Antwort bisher nicht gefunden, auch wenn ich sehr viele Gespräche darüber geführt habe. Ich glaube, dass die Bedeutung des Faktors Mensch in den letzten zehn Jahren sehr stark zugenommen hat. Während in den 90er und 2000er Jahren viele deutsche Konzerne durch Effizienzgewinne und bessere Automatisierung funktioniert haben, sind wir heute in der digitalen Transformation angelangt und müssen uns neu aufstellen. In dieser stark zugespitzten Situation hat sich die Personalabteilung in den letzten Jahren meiner Meinung nach nicht positiv entwickelt, sie ist ähnlich schwach wie vor zehn Jahren. Der CEO steht also vor einer sehr schweren Entscheidung: Was macht er mit der Personalabteilung, schafft er sie ab, lässt er sie so wie heute weiterlaufen oder investiert er in eine neue HR-Abteilung, die vielleicht nicht so heißt, die aber der Relevanz des Themas gerecht wird? Warum die CEOs hier zögern, weiß ich wirklich nicht.


Gastfrage unseres Antwörters Clara: Wovor hast du Angst?

Meine Sorge ist, dass wir das nicht schnell genug global skalieren können und somit unserer Vision, wirklich einen globalen Impact zu schaffen, nicht gerecht werden. Ein leidenschaftlicher Kämpfer für eine neue Arbeitswelt, wie Haufe-umantis, muss einen großen Einfluss haben. Wir wollen, dass die Arbeitswelt eine andere wird und dass die Unternehmen neue Betriebssysteme haben, damit sie den Faktor Mensch besser nutzen können. Denn der Mensch braucht einen besseren Arbeitsplatz auf Erden.

Wir haben eine sehr klare und große Vision und würden uns nicht damit zufrieden geben, dass wir nur in Deutschland oder der Schweiz wirken, sondern in der weiten Welt. Alles andere wäre ein Scheitern der Vision oder einfach, dass man zu wenig nah an die Vision herankommt; die ist ja immer ein bisschen weit weg.


Welches Foto aus deinem Leben magst du besonders?

Das Bild zeigt den Blick unseres seit 2014 eröffneten Büros in San Francisco. Nach Europa wollen wir auch in den USA unsere Kunden unterstützen, durch ihre Mitarbeiter den Unterschied zu machen.

Kommentare

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  1. von Andreas Wundersee

    Das finde ich auch wichtig und richtig. Die Schwierigkeit der demokratischen Entscheidungsfindung und Mitarbeitereinbindung ist aus meiner Sicht, dass man sich dadurch nicht als Unternehmen mit endlosen Diskussionen lahm legt und die Unternehmens- und Organisationsstrukturen auf demokratische Prozesse und Entscheidungsfindungen abgestimmt sein müssen – dann kann man am Ende mit Sicherheit schneller und effektiver handeln; ansonsten kann es auch im Chaos enden…Reference

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