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Kulturangebot statt eCommerce

12. Juli 2015

Wir alle kennen das: Man sucht im Internet nach Turnschuhen, einem Akkuschrauber oder einem neuen Handy und wird daraufhin auf Google oder Facebook mit entsprechender Produktwerbung geflutet.

Dafür verantwortlich ist das sogenannte Retargeting. Mit Hilfe von Cookies und Adservern werden unsere Daten gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis sind personalisierte Werbeanzeigen von großen Online-Shops wie Amazon, Ebay oder Zalando.

Mit solchen Werbeanzeigen verdienen Online-Netzwerke viel Geld. Facebook weitet daher seine Werbung spürbar aus und es erscheinen immer mehr gesponserte Beiträge im Newsstream. Aber auch in anderen sozialen Netzwerken wie Twitter und Instagram wird zunehmend Produktwerbung platziert.
Zurecht wird die Sammelwut großer Unternehmen für personalisierte Werbung sowie deren Weiterentwicklung regelmäßig kritisiert. Ich frage mich jedoch, ob sich diese Entwicklung nicht auch positiv nutzen lässt, indem wir auf Kulturangebote, die uns aufgrund unserer Daten interessieren könnten, aufmerksam gemacht werden.

Wo also bleibt die Online-Werbung für Kultur- und Freizeitangebote?

In Printmedien oder auf Plakatflächen sehe ich regelmäßig Werbung für Ausstellungen, Lesungen oder Podiumsdiskussionen. Während des Studiums habe ich fast täglich vor der Mensa Flyer für die nächste Studentenparty, einen Poetry Slam oder eine Theateraufführung bekommen. Im Internet nicht. Egal wie häufig ich auf die Seiten vom Städel in Frankfurt oder den Pinakotheken in München gehe: Ich bekomme bei Facebook weiterhin Werbung für Akkuschrauber. Dabei interessiert mich beispielsweise an einem Freitag nicht, was ich als nächstes kaufe (den Akkuschrauber habe ich ohnehin schon lange bestellt), sondern was ich abends und am Wochenende unternehmen kann.

Die finanziellen Mittel für Werbung für Kulturangebote sind zwar begrenzt, sodass sie nie den Werbemarkt beherrschen wird, dennoch würde ich mir wünschen, mehr Online-Werbung für Kulturangebote zu bekommen; und da bin ich bestimmt nicht der einzige.
Wie so etwas funktionieren kann, zeigt beispielsweise die P/ART. Für die Kunstmesse in Hamburg konnten sich Künstler Anfang des Jahres bewerben. Die entsprechende Ausschreibung wurde auch bei Facebook beworben; so habe ich davon erfahren und mich beworben. Ob ich ohne Facebook-Werbung darauf aufmerksam geworden wäre, ist fraglich.

Bislang nehme ich Online-Werbung vor allem als Produktplatzierung wahr, die ich überwiegend ausblende. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert: Kulturangebot statt eCommerce. Denn wer wurde nicht schon einmal durch einen Flyer oder ein Plakat auf eine spannende Veranstaltung aufmerksam!

Welches Kultur- oder Freizeitangebot habt ihr durch Online-Werbung entdeckt? Schreibt uns unter dem Hashtag #KulturAd!

Kommentare

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  1. von Andreas Wundersee

    Da war sie: Heute hab ich meine erste Ausstellungsanzeige bei Google Adwords bekommen. Und zwar für die “Digitale Sammlung” des Städel in Frankfurt >> http://www.bit.ly/digitale-sammlungReference

3 Gründe, warum du dich anmelden solltest, findest du hier.