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Instagram – Dilettantismus oder Kunst?

24. August 2015

Kunst fasziniert uns, weil wir bei der Betrachtung verblüfft sind. Weil Kunst etwas in uns auslöst. Ein Gefühl. Inspiration. Selbstreflexion. Oder Begeisterung.

Doch nicht jeder Betrachter wird vom selben Werk berührt. Mitunter denken manche, dass sie das Kunstwerk auch selbst hinbekommen hätten. Insbesondere bei abstrakter Malerei oder Fotografie wird manchem erst klar, wie komplex eine gute Bildkomposition ist, wenn sie sich selbst damit beschäftigen und wenn sie merken, wie schwierig es ist, ein Werk zu kreieren, das sie und andere emotional oder gedanklich anspricht.

Denn ein paar Farbkleckse sind schnell auf der Leinwand verteilt, und um ein Foto zu machen, muss man nur den Auslöser betätigen. Um das zu tun, reicht es heutzutage in die Hosentasche zu greifen und das Smartphone zu zücken, um damit auf Schnappschusssuche zu gehen. Doch jeder, der mit seiner Handykamera stilvoll fotografiert und seine Fotos beispielsweise bei Instagram zeigt, weiß, dass das perfekte Foto eine Kunst ist. Instagram, die App, mit der man alltägliche, schöne, hässliche, gefilterte und ungefilterte Bilder postet, ist in der Kunstwelt umstritten. Manche lieben die App, andere hassen sie und viele unterschätzen sie, da man auf den ersten Blick von einer Bilderflut überrollt wird. Die Hauptkritikpunkte sind der Umgang mit Bildrechten und dass an der Spaß-und-Gratis-Rampe Quantität vor Qualität kommt.

Es ist unumstritten, dass es bei Instagram nicht nur Kunst zu sehen gibt. Viele Nutzer verbreiten über die App Bilder, die sich vor allem an deren Freundes- und Bekanntenkreis richten und darüber informieren, was am jeweiligen Tag passiert ist.


Essen von @steffenuglebjerg

Gute Instagramer posten Poesie in Bilderform. Ihre Fotos sind perfekt komponiert, und sie setzen die Filter gekonnt ein. Sie können mit einem Hashtag oder einer guten Beschreibung das Bild noch interessanter gestalten oder sind Meister im Storytelling.

Hier fünf Beispiele dafür, wie unterschiedlich Instagram-Accounts genutzt werden:

1. Ästhetische Alltagsfotografien

Viele Instagramer wie Linda Berg alias lindaberlin haben ein Thema, zu dem sie täglich spannende Motive posten. Je nach Thema werden auch sogenannte Photowalks mit ihren Followern veranstaltet. Das Hauptthema bei lindaberlin ist Architekturfotografie.


Ein von Linda (@lindaberlin) gepostetes Foto am

Bild von @lindaberlin

2. Reflexionsfotografien

Instagramer wie Anika Meier alias gert_pauly posten nicht nur ästhetische Fotos, sondern versuchen durch Hashtags, Beschreibungen oder Hashtag-Challenges Bilder und Worte zu verknüpfen, den Betrachter zum Nachdenken anzuregen und mit ihm zu interagieren.


Ein von anika (@gert_pauly) gepostetes Foto am

Bild von @gert_pauly

3. Storyteller

Instagramer wie Konrad Langer alias konaction sind Geschichtenerzähler. Seine Bilder inspirieren, zeigen immer wieder neue, unterschiedliche Motive und regen die eigene Fantasie an. Es verwundert nicht, dass er in der Zwischenzeit auch als Location-Scout arbeitet und beispielsweise Produktionsfirmen zu Drehorten in Berlin berät.


Bild von @konaction

4. Informationsfotografien

Cafés, Restaurants oder auch Museen wie das Städel in Frankfurt alias staedelmuseum nutzen Instagram, um Besucher und Kunden zu informieren – zum Beispiel über die Tageskarte oder aktuelle Ausstellungen.


Bild von @staedelmuseum

5. Ausstellungsplattform

Wie Insteadofthehead nutzen viele Künstler die App auch als Ausstellungsfläche, um eigene Arbeiten zu veröffentlichen, und nicht, um Fotos mit der App zu bearbeiten.


Ein von @insteadofthehead gepostetes Foto am

Bild von @insteadofhead

Bis Instagramer allerdings den Kunstmarkt aufmischen bzw. darin integriert werden, wird noch Zeit vergehen, da offen ist, wie mit ihnen umgegangen wird. Sind ausschließlich ihre Bilder die Kunstwerke? Machen die Instagramer durch ihre Persönlichkeit die Bilder zur Kunst? Oder wird das Foto erst durch die Diskussion auf Instagram zur Kunst?
Es gibt bereits einzelne Versuche im Kunstbetrieb, mit Instagram Geld zu verdienen, zum Beispiel von Richard Price, der allerdings keine eigenen Bilder verkauft hat, sondern 90.000 Dollar für einen ausgedruckten Instagramscreenshot bekommen hat. Das, sowie die Tatsache, dass Fachzeitschriften wie Monopol und art sich mit Instagram auseinandersetzen, zeigt, dass die Kunstwelt Interesse an Instagram hat.

Kommentare

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  1. von Andreas Grillenfaenger

    Da war ganz bestimmt Freud im Spiel. Der Künstler, der der Screenshots zu teuren Preisen unter die Kunstsammler bringt ist Richard Prince.

    1. von Andreas Wundersee

      Sehr interessant – Danke für den Hinweis. Product-Placement bei Instagram funktioniert also auch schon im Kunstbetrieb…

3 Gründe, warum du dich anmelden solltest, findest du hier.