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akteur - geschehen machen
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I Imperium

27. März 2016

»Just listen to it, / voice so true, inside calling / to stand you up and march you on, / keep from falling, / let go your sorrow, / sun will shine, this I promise, / rising tomorrow, / rising.«

—Machine Head, Imperium

Populäre Musik funktioniert kaum anders als gute Werbung. Sie erinnert uns an Dinge, bei denen wir alleine nie darauf gekommen wären, dass wir sie vermissen. Vermutlich würden wir sie gar nicht mal vermissen, wenn uns nicht jemand darauf hingewiesen hätte. In etwa wie gute Geschenke. Denn diejenigen, über die wir uns am meisten freuen, sind oft jene, die wir ganz vergessen haben uns zu wünschen. Erst wenn das Geschenkpapier weggerissen ist, fällt uns ein, wie gerne man das doch schon immer haben wollte.

Ganz ähnlich wirkt die uns umgebende Populärkultur wie Fernsehen, Musik, bildende Kunst und Literatur. Man wächst in einer Welt auf, die ständig mit einem kommuniziert, während man gleichzeitig versucht herauszufinden, was man dieser Welt zu sagen hat. Zu Beginn kann man aber von nichts anderem erzählen als von sich. Man selbst ist bei allen Einflüssen doch das erste, was man kennenlernt. Was noch nicht heißt, dass man das, also sich, verstanden hätte. So denkt man sich seinen Teil und macht sich seinen Reim auf die Welt.

Einen Reim auf die Welt machen bedeutet, zu versuchen, sich in Einklang mit dieser einen umgebenden Welt zu bringen. Das heißt, man gleicht sich ab. Man fragt sich, was mag ich, was mag ich nicht, was will ich, was nicht. Die Möglichkeiten dazu werden einem vor allem von der Kultur gegeben. Man sieht seine persönlichen Veranlagungen und geht diesen nach. Immer sucht man sich in dem anderen. Aber nie fallen die beiden in eins. Also versucht man, sich anzupassen. Spürt man latent seine Lust zu Lebensfreude, sucht man sich die Beispiele, die einem zeigen, wie man die erreichen kann. Da kommen dann die frühen Idole ins Spiel: Popstars, Schriftsteller, Künstler, und man eifert diesen nach.

Was man gezeigt bekommt, hält man für wahr. Miss Platnums Video zu Give me the Food erklärt uns, dass Lebensfreude abstruse Schönheitsideale definitiv aussticht. Daft Punk erklären uns, dass man zum Spaßhaben die ganze Nacht wach bleiben und am besten zu Discosongs tanzen sollte. Machine Head erklären, dass sie keine Sklaven, sondern anders sein werden. Lange hält man all die für authentisch und richtet sich nach diesen Vorbildern aus. Schließlich weiß man es nicht besser.

So achtet man mit der Zeit weniger auf das, was man selbst will, als auf das, über das einem gesagt wird, man wolle es. Man merkt den Unterschied kaum. Denn, so denkt man, wenn die Ziele die gleichen sind und wenn das Idol sie offenbar schon erreicht hat, müsse man es nur genauso machen, um auch dahin zu kommen. Dass aber ein Unterschied zwischen Weg und Ziel besteht, erkennt man lange Zeit nicht. Kaum hat man sich versehen, wurde des Idols Weg zum eigenen Ziel. Übrig bleibt die Frage nach seinem eigenen Weg. Anders gesagt: Machine Head künden von einem Imperium und man glaubt, damit sei mein eigenes gemeint.

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