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akteur - geschehen machen
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Antwörter mit Philipp Winkler

22. September 2017

Wann hast du das letzte Mal jemanden überzeugt und von was?

Jemanden überzeugt? Eigentlich versuche ich, Leute gar nicht zu überzeugen zu irgendwas, und deshalb kann ich mich auch gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal jemanden zu etwas überzeugt habe.
Vielleicht könnte man hinzuzählen, dass ich meinen Mitbewohner überzeugt habe, spätnachts im Kalten noch rauszugehen und uns Bier vom Späti zu holen. Das wäre vielleicht das Einzige. Ich habe gesagt, dass ich an dem Tag schon draußen war und er noch nicht. Der Wille war definitiv da, aber ich musste noch die Faulheit meines Mitbewohners überwinden.

Wie hast du heute Morgen deine ersten fünf Minuten verbracht?

Wahrscheinlich hab’ ich zuerst aufs Handy geguckt, und dann bin ich aufs Klo gegangen. Ah ja, erst hab’ ich mich geärgert, dass mein einer Mitbewohner ein Bad genommen hat am Morgen und ich übelst aufs Klo musste. Und dann ganz normal: Kaffee gemacht, Frühstück gemacht.


Welche Tageszeit wärst du gerne?

Welche Tageszeit ich gerne wäre? Wahrscheinlich der Morgen, weil man da noch den ganzen Tag vor sich hat.


Gastfrage von Paul Verschure: Was tust du und warum zur Hölle tust du das?

Ich tue vieles, aber wahrscheinlich ist das Offensichtlichste das Schreiben, und das tue ich, weil ich nichts anderes gelernt habe und weil ich es aus irgendeinem Grund, den ich selbst nicht benennen kann, machen muss. Aber dieses „muss“ ist natürlich komplett aus mir selber.

Ich kann dir die Frage, woher dieses „Müssen“ kommt, nicht beantworten, vielleicht sollte man die gar nicht beantworten, sondern einfach so stehen lassen. Ohne Antwort. Weil’s so ok ist, ohne es beantworten zu müssen.


Welche Frage würdest du an dieser Stelle stellen und wie würdest du sie beantworten?

Sehr schwierig.
Ich würde wahrscheinlich fragen, auch weil’s gerade passt: ob diese Person schon mal körperliche Gewalt ausgeübt hat und wie das für die Person war, also für die Person selber, nicht für das Opfer.

Die Frage habe ich noch nicht so oft gestellt bekommen, vielleicht einmal, zweimal, in anderer Form. Ja. Und ich fand’s nicht toll. Ich fühl’ mich persönlich nicht gerade wohl dabei, anderen Leuten körperlichen oder überhaupt Schaden, sei es auch emotionalen, zuzufügen. Und hab’ definitiv eine Hemmschwelle, was das angeht. Es muss viel passieren, dass ich das machen würde.

Als es mal passiert ist, war das ganz unspektakulär, einfach die typischen Gelegenheiten. Irgendwelche Schlägereien, die sich aus irgendeinem Grund entfachen und bei denen man dann in den meisten Fällen auch gar nicht groß eine andere Wahl hat. Die einzige Wahl ist, Schläge einzustecken und es dabei zu belassen oder sich halt zu wehren. Ein paar Mal hab’ ich mich dann fürs Wehren entschieden.


Woran glaubst du, woran sonst keiner glaubt?

Da würde ich einfach ganz safe sagen: dass Comics eine Kunstform sind. Ich glaube, der Großteil der Menschheit glaubt das nicht. Oder der Großteil der deutschen Bevölkerung glaubt das nicht. Und weil ich immer gerne irgendwas breche, eine Lanze, für die neunte Kunst, die Comics. Das hat irgendein französischer Theoretiker mal so festgelegt.

Warum ist Literatur, Malerei, Medienkunst, Filmkunst Kunst? Comics sind etwas ganz Eigenes. Es gelten ganz eigene Gesetze in der Comicsprache, es bedarf definitiv Kunstfertigkeit, um Comicmedien zu erzählen, sowohl geschrieben als auch gezeichnet. Und beides im Zusammenspiel benötigt sehr viel Kunstfertigkeit. Und weil das Medium Comic Dinge kann, die weder Film noch Literatur können. Ihre ganz eigenen Narrative oder auch Nicht-Narrative erzählen.


Welches Foto aus deinem Leben magst du besonders?

Da fällt mir zum Beispiel ein, was mir mein letzter Mitbewohner zum letzten Geburtstag gezeichnet hat, weil er ein unglaublich guter Zeichner ist. Er hat mir eine ganz kleine Aquarell-Zeichnung von den Power-Rangers gemalt, die richtig geil ist.

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