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akteur - geschehen machen
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Antwörter mit Ayline

27. März 2016

Wann hast du das letzte Mal jemanden überzeugt und von was?

Ich habe mit einer Freundin, die ich hier gerade über Erasmus kennengelernt habe, einen Text von Adorno über „Erziehung nach Auschwitz“ gelesen. Es ging darum, dass eine Forderung nur nach Frieden nicht immer so progressiv ist, weil es Situationen gibt, in denen es keine andere Möglichkeit als Krieg gibt. Wir haben über den Zweiten Weltkrieg gesprochen und darüber, dass es wichtig war, dass Amerika eingegriffen hat und sich in den Krieg begeben hat und nicht gesagt hat: „Wir wollen nur Frieden und deswegen gehen wir nicht in den Krieg“. Meine Position war, dass das ein wichtiger Schritt war und dass es diese Art von Ausnahmesituationen gibt, in denen es wichtig ist einzugreifen, und wenn es keine andere Möglichkeit gibt, dann auch militärisch.


Wie hast du heute Morgen deine ersten fünf Minuten verbracht?

Ich glaube, ich habe mir erst einmal zwei Minuten überlegt, ob ich meinen Wecker auf eine halbe Stunde später stelle. Und dann habe ich mir gedacht: Nein, ich bin nur drei Monate in Barcelona und eigentlich möchte ich rausgehen und noch ein bisschen durch die Stadt laufen. Dann hat es weitere zwei Minuten gedauert, bis ich mich aus meinem Bett gerollt habe, mich angezogen habe und auf der Straße losgerannt bin.


Woran glaubst du, woran sonst keiner glaubt?

Ich weiß ja gar nicht, woran sonst keiner glaubt. Vielleicht denke ich zu kompliziert oder ich umgebe mich zu viel mit Leuten, die ähnlich denken wie ich, und darum weiß ich, dass ich nicht die einzige Person bin, die etwas Bestimmtes denkt. Ich glaube, dass es viele Widersprüche im Leben und in der Welt gibt, die einfach in der Welt liegen und die man nicht einfach ausbessern kann. Dass manche Dinge einfach gut sind oder schlecht werden oder beides schon irgendwie enthalten und gar nicht so klar sind, wie sie vielleicht auf den ersten Blick erscheinen. Ich glaube, dass daraus folgt, dass es auch ganz viele unterschiedliche Arten gibt, die Dinge zu betrachten und – ich will nicht sagen, dass die alle richtig sind, aber dass sie alle vielleicht ein Moment in sich tragen, was das Richtige ausdrücken will. Wenn ich mit anderen Leuten diskutiere, dann versuche ich zu sehen, was das ist, wo ich zustimmen kann und welchen Teil ich nicht so richtig finde, und diese Widersprüche dann zu diskutieren.


Welcher Moment oder welches Ereignis der letzten Tage wird dir für immer im Gedächtnis bleiben?

Da gibt es mehrere. Vor ein paar Tagen war ich auf diesem Berg hier laufen und bin eine Straße hochgerannt, die einfach komplett aus Treppen bestand, und als ich dann oben angekommen war, war ich total erleichtert und voll angestrengt und hatte das Gefühl, ich habe jetzt voll was erreicht, und ich wurde sogar damit belohnt, dass ich über diese Stadt schauen und loslassen konnte.
Das andere war, dass ich vor gut zwei Monaten hier in Barcelona auf dem Campingplatz war, weil wir die barcelonesische Gastfreundschaft etwas falsch eingeschätzt hatten und aus unserer Wohnung geworfen wurden. Obwohl es hier im Süden doch etwas wärmer ist, war es recht kalt im Zelt ohne Isomatte.


Welche Frage würdest du an dieser Stelle stellen und wie würdest du sie beantworten?

Ich musste mal für eine blöde Bewerbung die Frage beantworten, was für einen Fehler ich in meinem Leben gemacht habe und was ich anders gemacht hätte – das würde ich jetzt auch mal fragen.

Ich glaube schon, dass man ständig Dinge nicht optimal macht, man kann sie ja gar nicht immer richtig machen. Manchmal muss man die Dinge nicht als Fehler titulieren, sondern einfach schauen, wie es weitergeht und was man daraus macht. Ich glaube, ich mache öfter mal den Fehler, dass ich nicht die Dinge mache, die ich eigentlich gerne machen würde, weil sie mich interessieren, weil ich sie schön oder gut finde. Aus rationalen Gründen mache ich dann etwas anderes.
Wenn ich überhaupt nicht rational gedacht hätte, dann hätte ich vielleicht auch Musik oder Philosophie studiert und vielleicht wäre das auch ganz gut geworden. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass es ein großer Fehler war, das zu studieren, was ich studiert habe. Und im Kleinen mache ich das auch öfter, dass ich nicht noch mit Freunden weggehe, weil ich noch irgendetwas für die Uni machen muss.


Welches Foto aus deinem Leben magst du besonders?

Ein Bild, das ich schon seit Längerem als Anzeigebild bei Skype habe. Das habe ich gemacht, als ich zum zweiten Mal in Amerika war und ein Praktikum gemacht habe. Es gibt in Amerika nicht besonders viele Fahrradwege und in diesem Ort gab es einen Fahrradweg, auf dem ich immer joggen war, und irgendwann bei Sonnenuntergang bin ich dorthin gegangen und habe ein Bild mit den Zuggleisen nebendran gemacht. Das Bild hat für mich irgendwie eine Aufbruchsstimmung, die ich darin konserviert habe.

Sonnenuntergang

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